Neu diskutiert wird zurzeit von verschiedenen Institutionen (u.a.
Deutsche Gesellschaft für Ernährung) die Bedeutung einer niedrig
glykämischen Ernährung insbesondere im Bereich der diätetischen
Therapie des Diabetes mellitus. Hierbei werden die Wechselwirkungen
zwischen Kohlenhydraten, Blutzuckerspiegel und länger anhaltender
Sättigung betrachtet. Die richtige Auswahl der Lebensmittel kann dazu
beitragen, einen schnellen und hohen Blutzuckeranstieg zu vermeiden,
wodurch längere Sättigungszeiten erreicht werden. Dieses ist für jeden
Menschen gut. Wie wichtig dieses jedoch insbesondere für Diabetiker
Typ-2 ist, betonte heute Norbert Pahne, Geschäftsführer des
Diätverbandes in Bonn.
Neben der absoluten Menge der Kohlenhydrate ist auch ihre Verfügbarkeit
wichtig. So ist bekannt, dass durch den Verzehr von z.B. Weißbrot ein
höherer Blutzuckerspiegel resultiert als nach Verzehr von Vollkornbrot.
Die Ernährung mit einem geringen Anstieg des Blutzuckerspiegels, auch
„niedrig glykämisch“ genannt, erfüllt eine Doppelfunktion: Sie lässt
den Blutzuckerspiegel langsamer auf ein niedrigeres Niveau ansteigen,
wodurch die Insulinausschüttung mäßig ist und frühzeitiges Hungergefühl
vermieden werden kann. Auf diese Weise können niedrig glykämische
Lebensmittel einen Beitrag zur Gewichtskontrolle leisten, idealerweise,
wenn sie auch noch einen reduzierten Fettgehalt aufweisen.
Bei Diabetikern ist die Aufnahme von Glucose in die Zellen gestört, was
zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel führt. Bei krankhaft erhöhten
Blutglucosekonzentrationen kommt es, wenn der Diabetes nicht therapiert
wird, zu den bekannten Spätfolgen des Diabetes, z.B. Gefäßschäden etc.
Beim Diabetiker Typ-1 ist die therapeutische Gabe von Insulin
notwendig. Beim Diabetiker Typ-2 liegt meist eine Insulinresistenz der
Zellen vor. Daraus resultiert eine erhöhte Produktion von Insulin. Dies
kann auf Dauer zur Erschöpfung der Insulinproduktion führen.
Eine niedrig glykämische Ernährung mit einhergehender Gewichtsreduktion
und angemessener körperlicher Bewegung kann dazu beitragen, überhöhte
Blutzuckerspiegel zu verhindern und dadurch einer Insulinresistenz
entgegenzuwirken.
Für den Diabetiker ist sowohl die Quantität als auch die Qualität der
Kohlenhydrate entscheidend. Derzeit wird die Kenngröße
Broteinheit (BE)
verwendet und sollte zusätzlich, so die Empfehlung des Diätverbandes,
durch die Aussage „niedrig glykämisch“ ergänzt werden. Die BE gibt die
Menge der absoluten Kohlenhydrate an: eine BE entspricht 12 g
Kohlenhydraten. Eine Auslobung mit „niedrig glykämisch“ hilft dem
Diabetiker zudem die Qualität der Kohlenhydrate zu beurteilen.
Viele Grundnahrungsmittel sind bereits auf ihre glykämische Wirkung
untersucht worden und in der einschlägigen Literatur beschrieben. Die
bekannten Süßungsmittel - z.B. Sorbit, Isomalt und Lactit - sowie
Fruktose und Polydextrose haben im Vergleich zu den üblichen
Zuckerarten eine niedrigere glykämische Wirkung. Bei verarbeiteten bzw.
zusammengesetzten Lebensmitteln sind aufwendige Untersuchungen
notwendig um eine Einteilung in niedrig bzw. hoch glykämisch vornehmen
zu können. Erste Produkte mit der Kennzeichnung niedrig glykämisch
befinden sich bereits im Markt. Quelle:
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