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Cholesterin: Freund oder Feind?
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| Cholesterin - gute Zeiten, schlechte Zeiten - Interview zum Thema Cholesterin, LDL und HDL
Gutes und schlechtes Cholesterin, hoher und niedriger Cholesterinspiegel, LDL und HDL. Was und wieviel ist nun gut und schlecht? Wir sprachen mit Dipl. troph. Susanne Sonntag über das vielzitierte Thema "Cholesterin".
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| Was versteht man unter dem so genannten "guten" oder "schlechten" Cholesterin?
Sonntag: Bei der Beurteilung des Cholesterinspiegels muss man zwischen dem "guten" und dem "schlechten" Cholesterin unterscheiden. Cholesterin liegt im Blut hauptsächlich in zwei verschiedenen Transportformen vor. Das "gute" HDL transportiert das Cholesterin von den Gefäßen zur Leber. Damit schützt es die Gefäße und kann Arteriosklerose vorbeugen. Eine hohe Konzentration von HDL im Blut wäre also wünschenswert.
Das "schlechte" LDL transportiert dagegen das Cholesterin aus der Peripherie zu den Zellen. Bei einem Überangebot kann das LDL Cholesterin abgeben, das sich dann an den Gefäßwänden ablagert und zu Arteriosklerose führen kann. Das Verhältnis von LDL zu HDL im Blut sollte also möglichst gering sein. Idealerweise sollte ein LDL-Spiegel < 130 Milligramm pro Deziliter und ein HDL-Spiegel von > 45 Milligramm pro Deziliter angestrebt werden.
Welchen Einfluss hat das Nahrungscholesterin auf die Plasma-Cholesterinkonzentration?
Sonntag: Die Wirkung des Nahrungscholesterins auf die Höhe des Blutcholesterinspiegels ist bis jetzt noch nicht abschließend geklärt. Fest steht aber, dass der Einfluss des Nahrungscholesterins lange Zeit überschätzt wurde. Die genetische Disposition scheint der wichtigste Faktor bei der Regulation des Cholesterinspiegels zu sein. Die Ernährung nimmt dagegen nur mit 10 bis 15% Einfluss.
Auch das lange Zeit so gescholtene Hühnerei scheint rehabilitiert zu sein. Obwohl das Hühnerei mit 250 Milligramm Cholesterin pro Ei relativ cholesterinreich ist, zeigten Studien, dass das Cholesterin aus dem Hühnerei nicht den Cholesterinspiegel erhöht. Das gleichzeitig im Hühnerei vorhandene Lecithin verhindert die komplette Aufnahme des Cholesterins.
Wie wirken sich Nahrungsfette auf den Cholesterinspiegel aus?
Sonntag: Man geht heute davon aus, dass der Einfluss des Nahrungsfettes auf den Cholesterinspiegel wesentlich größer ist als der des Nahrungscholesterins. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass eine Reduktion des Nahrungsfettes den Cholesterinspiegel senkt. Nahrungsfett unterscheidet sich jedoch durch seine enthaltenen Fettsäuren, die einen unterschiedlichen Effekt auf den Cholesterinspiegel haben können. Ein hoher Konsum gesättigter Fettsäuren, die vorwiegend in tierischen Produkten wie Fleisch, Wurst, Sahne und Butter enthalten sind, steht in engem Zusammenhang mit hohen Cholesterinwerten.
Einfach ungesättigte Fettsäuren senken das LDL-Cholesterin und erhöhen das HDL-Cholesterin. Sie sind reichlich in Raps- und Olivenöl enthalten. Auch die mehrfach ungesättigten Fettsäuren wirken sich günstig auf das LDL:HDL-Verhältnis aus. Die wichtigsten Quellen für mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind verschiedene Fischarten und pflanzliche Öle.
Eine weitere Gruppe von Fettsäuren sind die Transfettsäuren. Sie entstehen bei der chemischen Fetthärtung und wirken sich besonders negativ auf den Cholesterinspiegel aus: Das LDL-Cholesterin wird erhöht und das HDL-Cholesterin gesenkt. Trans-Fettsäuren sind überwiegend in Milchfett, Rindfleisch, Fertigprodukten und Frittiertem enthalten. Ihr Verzehr sollte so gering wie möglich gehalten werden.
Gibt es weitere Nahrungsmittelinhaltsstoffe, die den Cholesterinspiegel beeinflussen können, möglicherweise sogar positiv?
Sonntag: Der Verzehr löslicher Ballaststoffe kann den Cholesterinspiegel senken. Man vermutet, dass sie im Darm Gallensäure binden, so dass diese nicht mehr absorbiert werden kann. Dadurch entsteht ein erhöhter Gallensäurebedarf und mehr Cholesterin wird aus dem Blut entfernt und in Gallensäuren umgewandelt. Das Ergebnis ist ein erniedrigter Cholesterinspiegel im Blut. Lösliche Ballaststoffe sind reichlich in Obst, Gemüse, Leguminosen und Getreideprodukten enthalten. Eine weitere sehr gute Quelle für wasserlösliche Ballaststoffe sind Plantago ovata Samenschalen. Die Schalen der Samen bestehen zu 71% aus wasserlöslichen Ballaststoffen.
Phytosterine gehören zur Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe und können nachweislich den Cholesterinspiegels senken. Sie ähneln in ihrer Struktur sehr dem Cholesterin, werden im Darm jedoch vergleichsweise schlechter absorbiert. Hypothesen zur cholesterinsenkenden Wirkung besagen, dass nicht absorbierte Phytosterine mit Cholesterin auskristallisieren können und so dessen Aufnahme verhindern.
Eine weitere Hypothese geht davon aus, dass Phytosterine das Cholesterin aus den Mizellen verdrängen, die bei der Fettverdauung entstehen. Phytosterine findet man natürlicherweise in fettreichen Pflanzenteilen wie Sojabohnen oder Leinsamen und seit einiger Zeit auch als Bestandteil in Margarinen oder auch Joghurtdrinks.
Bei Cholesterin handelt es sich chemisch gesehen um ein Steroid, also eine fettähnliche Substanz, die in tierischen Lebensmitteln vorkommt. Besonders viel Cholesterin enthalten Leber, Butter und Austern. Neben der Cholesterinaufnahme über die Nahrung produziert unser Körper auch selber Cholesterin. Dies geschieht vorwiegend in der Leber und in der Darmschleimhaut. Die körpereigene Synthese passt sich zu einem gewissen Grad der Cholesterinzufuhr über die Nahrung an.
Verzehren wir weniger Cholesterin, gleicht dies unser Körper mit einer erhöhten Synthese aus. Cholesterin ist essentiell für den Aufbau von Membranen, für die Bildung von Steroidhormonen wie Östrogene und ist Grundbaustein für Vitamin D. Quelle: 4
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